Neue Herausforderungen beim Online-Coaching
Bis zum BGH-Urteil im Juni 2025 war der Coaching-Markt in der Onlinewelt wenig bis gar nicht staatlich reguliert. Die ZFU-Pflicht trifft den Markt hart.
Die derzeit geltende Genehmigungspraxis macht deutlich, dass auf dem Markt nur leistungsstarke Anbieter bestehen werden, wie eine Beispielrechnung verdeutlicht. Der finanzielle Erfolg – und das Überleben eines Unternehmens – wird umso stärker von der Teilnehmeranzahl abhängig sein.
Angebote, die nicht von der ZFU zertifiziert wurden, können abgemahnt werden. Teilnehmer können die kompletten Coachingkosten zurückfordern, sofern ein Angebot „schwarz“ stattfindet, da eine mangelnde ZFU-Zulassung Verträge nichtig machen kann.
Die folgenden fiktiven, aber praxisnahen Beispiele verdeutlichen anschaulich, mit welchen Herausforderungen nun jeder Coaching-Anbieter konfrontiert ist.
Herausforderungen für Mindset-Coaches
Meike Mindgirl ist Influencerin und in der Online-Coaching-Szene bekannt. Ihr Kurs „Manifestiere in 30 Tagen dein Traumleben“ ist immer voll. Ihre Teilnehmer profitieren von anschaulichen Lehrvideos, Worksheets und einer „Erfolgs-Checkliste“. Ist der Kurs abgeschlossen, lockt das Seminar „Achtsamkeit im Traumleben“.
Mrs. Mindgirl erfüllt sämtliche Kriterien für eine ZFU-Zulassung. Denn methodisch gesehen handelt es sich um einen klaren Ablaufplan mit Aufgaben. Die Zielsetzung („Traumleben in 30 Tagen“) ist extrem unrealistisch und schwer messbar. Die ZFU könnte dies als irreführendes Leistungsversprechen bewerten und den Kurs nicht zulassen.
In diesem Beispiel wird deutlich, dass es die Zieldefinition für eine Ablehnung sorgen kann. Aber nicht nur das: Auch die Medien müssen eingereicht werden. Sämtliche Videos und Arbeitsblätter müssen folglich ebenso von der ZFU genehmigt werden.
Es bleibt abzuwarten, welche Maßstäbe die ZFU anlegen wird.
Herausforderungen für Marketingkurse
Stefan Coachingman war bisher big im Business. Seine Online-Mentoring-Programme: „Wie Sie pro Stunde fünfstellig verdienen!“ waren stets ausgebucht und viele Teilnehmer buchen das Anschluss-Seminar „Bitcoin- und Crypto-Deal.“ oder „Aktion und Aktien“. Überall stellen interessierte Teilnehmer Rückfragen, was sie tun müssen, um reich zu werden.
Die Kursstruktur wird die ZFU als strukturiertes Vorgehen werten, womit dieser Aspekt erfüllt ist. Da auf die Belange der Teilnehmer eingegangen wird, ist davon auszugehen, dass die ZFU auch eine Lernerfolgskontrolle bejahen wird.
Die Aussage, man könne „pro Stunde mindestens 10.000€ verdienen“ ist zudem leicht messbar. Demnach ist könnte hier – allein durch die Möglichkeit der Erfolgskontrolle – dieses ZFU-Kriterium erfüllt sein. Hier bleibt ebenfalls abzuwarten, wie eng die Prüfmaßstäbe ausfallen werden.
Zugleich müssen wir uns alle uns an dieser Stelle ehrlich machen. Denn was werden nun Bürokraten einer staatlichen Behörde eher denken: „Cooler Coachingman, das genehmigen wir sofort!“, oder „Hä? Fünfstellig pro Stunde? Das ist von vornherein unseriös und wird nicht lizenziert!“?
Vielleicht benötigt Mr. Coachingman lediglich andere Titel für seine Online-Kurse, denn per se ist nichts Verwerfliches dabei, Kurse zum Thema „Geld verdienen“ anzubieten. Die Frage, die sich dem anschließt, besteht nun darin, ob überhaupt noch mit Slogans wie „Fünfstellig verdienen“ o. ä. geworben werden darf. Denn wer damit aus strategischen Gründen wirbt, aber in seinen Kursen andere Inhalte anbietet, kann eventuell wettbewerbsrechtlich belangt werden. Rechtsprechung dazu wird folgen.
Herausforderungen für Fitness-Mentorings
„Neue Figur in zehn Tagen!“ – Dieser Slogan zieht seit Jahren Sportbegeisterte, Menschen, die unzufrieden mit ihrem Körper sind, aber auch Diabetiker, zu FitFelix. In einem individuellen Vorgespräch klärt er die Erwartungen eines jeden Teilnehmers. In seinen Kursen zeigt er per Webcam die coolsten Moves und Fitnesstricks, rät zu veganer Ernährung und schreibt Ernährungspläne. Am Ende gibt’s eine gemeinsame Feedback-Runde.
Der Kurs ist phasenhaft aufgebaut (Vorgespräch – Sportphase – Abschlussfeedback). Allein dadurch ist das ZFU-Kriterium des strukturierten Vorgehens erfüllt.
Da FitFelix eine „Neue Figur in zehn Tagen“ verspricht, ist die Wahrscheinlichkeit enorm hoch, dass die ZFU ablehnen wird. Denn derartige Versprechen sind medizinisch und sportwissenschaftlich nicht haltbar. Außerdem könnte die ZFU hier mit dem Heilmittelwerbegesetz argumentieren und die Zertifizierung deshalb verweigern.
Herausforderungen für Nachhilfe-Anbieter
Ernie Erklärbär hat sich eine kleine Homepage gebastelt und tingelt in einschlägigen Facebook-Gruppen umher und hat bei kleinanzeigen annonciert. Er sucht Nachhilfeschüler für seinen Online-Kurs. Verträge schließt er mit den Eltern nicht, denn er lässt sich nach jeder Nachhilfestunde per Paypal bezahlen. Auch braucht er kein Material wie Arbeitsblätter, sondern er hilft spontan.
Bei einer Nachhilfe ist davon auszugehen, dass der Erklärbär klare Ziele erreichen möchte, nämlich die Verbesserung der Noten. Zur Zielerreichung gehört ein strukturiertes Vorgehen. Ernie ausschließlich Einzelunterricht und arbeitet rein live. Er bietet also keinen Kurs mit festen Modulen oder Materialien an. Der Erklärbär beantwortet Fragen und prüft das Gelernte sofort im Video-Call. Diese Art von synchroner Leistungskontrolle fällt in der Regel nicht unter die ZFU-Pflicht.
Sobald der Erklärbär jedoch auch per E-Mail (asynchron) erreichbar ist oder sogar Arbeitsblätter mit Übungen aushändigt, die bis zum nächsten Termin zu bearbeiten sind, könnte er für seine Nachhilfe eine ZFU-Zulassung benötigen.
Rechtssichere Online-Angebote siegen
Da bei Ihren Online-Kursen nun erstmals eine Behörde ins Spiel kommt – und das vor der Durchführung eines jeden Angebotes – stellen sich drei konkrete Fragen zur praktischen Organisation und Planung:
- Rechtssicherheit heißt Planungssicherheit: Nur wer die ZFU-Pflicht erfüllt, kann langfristig planen, ohne Angst vor Abmahnungen, Rückforderungen oder Vertragsnichtigkeiten. Dies ist Ihr Wettbewerbsvorteil.
- Das ZFU-Zertifikat steht für geprüfte Qualität: Insbesondere der Coaching-Markt ist voll von unseriösen Angeboten. Nutzen Sie die ZFU-Zertifizierung, um als seriöser Player im Bildungsmarkt wahrgenommen zu werden.
- Schutz vor Umsatzverlusten: Was nutzen Ihnen gut besuchte Seminare, wenn Ihre Kunden das Geld zurückfordern? Das ZFU-Zertifikat schützt Sie vor diesem Risiko und schafft Rechtssicherheit.
- Stärkere Marktpositionierung: Sie heben sich von unseriösen Mitbewerbern ab und dies wird auch Ihre potenzielle Kundschaft so sehen. Sicheren Sie sich mit dem ZFU-Zertifikat mehr Sichtbarkeit.
- Marketingvorteile: „Geprüft nach FernUSG“ können Sie in Ihrer Werbung hervorheben. Aber auch bei Preisverhandlungen im B2B-Bereich können Sie Ihren ZFU-Vorteil ausspielen.
- Rechtssicher und krisenfest: Es ist davon auszugehen, dass es weitere Rechtsprechung zum Thema Coaching gibt. Halten Sie sich jetzt an die Regeln, damit Sie in naher Zukunft nicht überrumpelt werden.
- Weniger interne Umstellungen: Sparen Sie Zeit, Nerven und Kosten, indem Sie bereits bei der Konzeption die ZFU-Kriterien berücksichtigen. Später müssen Sie diese nicht mehr mühsam nachjustieren.
- Langfristiger Wert: Eine einmal erteilte Zulassung kann für Folgekurse mit ähnlichem Konzept leichter angepasst oder verlängert werden. Sehen Sie das ZFU-Zertifikat als Chance und Investition in Ihre Zukunft.
Hilfe in einer veränderten Coaching-Welt
Die Coaching-Anforderungen haben sich massiv verändert. Bleiben Sie nicht in den „guten alten Zeiten“ hängen, sondern gestalten Sie Ihre zukünftige Onlinetätigkeit proaktiv – mit ZFU-Zertifikat.

